Neuerscheinung: „Wärter, Brüder, neue Männer“ von Christoph Schwamm

Neuerscheinung: „Wärter, Brüder, neue Männer“ von Christoph Schwamm

Die Krankenpflege ist heute kein reiner Frauen-beruf mehr. Aber ist sie je ein solcher gewesen? Zwar waren Männer ab dem späteren 19. Jahr-hundert eine Minderheit in der Pflege, aber niemals eine Ausnahmeerscheinung. Wie also kam es dazu, dass pflegende Männer als Normab-weichung wahrgenommen wurden? Dieser Frage geht Christoph Schwamm nach.

Lange Zeit dominierten in Deutschland Schwes-ternschaften und Mutterhäuser die Kliniken, eine rigide Geschlechtertrennung zwischen männ-lichen und weiblichen Pflegekräften war das Ergebnis. Dies änderte sich in Westdeutschland mit den großen strukturellen Reformen um 1970, in der DDR hatte dieser Prozess bereits 20 Jahre zuvor begonnen. Ab diesem Zeitpunkt wurden Männer in der Pflege gemeinsam mit den Frauen ausgebildet, sie engagierten sich in den gleichen Berufsorganisationen, absolvierten die gleichen Fort- und Weiterbildungen und hatten grund-sätzlich die gleichen Karrierechancen. Das Ziel war es, aus dem „Liebesdienst“ einen modernen und geschlechtsneutralen Angestelltenberuf zu machen. Stattdessen wurden weibliche Pflege-kräfte zunehmend sexualisiert, während sich die pflegenden Männer von einer Selbstverständlich-keit zur gesellschaftlichen Anomalie wandelten.

Weitere Informationen finden Sie hier: https://www.steiner-verlag.de/titel/62116.html

Prof. Dr. Karen Nolte und Dr. Nadia Primc im Gespräch

Prof. Dr. Karen Nolte und Dr. Nadia Primc im Gespräch

In der achten Folge von PflegeStandard begrüßen wir gleich zwei Gäste: Prof. Dr. Karen Nolte und Dr. Nadia Primc vom Institut für Geschichte und Ethik der Medizin in Heidelberg. Im ersten Teil dieses Interviews sprechen wir über historische Pflegefiguren, die Entwicklung der Pflege in Deutschland, das Nachwuchsproblem, die Rolle von Gewerkschaften und Streiks sowie historische Pandemien.

Das Gespräch finden Sie unter folgendem link:

https://www.buzzsprout.com/1344949/6623158-pflegestandard-episode-8-prof-dr-karen-nolte

Liliane Juchli (1933 – 2020)

Liliane Juchli (1933 – 2020)

Liliane Juchli 2008 [Bildquelle: Wikipedia]

Am 30. November 2020 verstarb im Alter von 87 Jahren Liliane Juchli, Ordensschwester der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz (Ingenbohler Schwestern) und Autorin des bekanntesten Pflege-Lehrbuchs im deutschsprachigen Raum, an den Folgen einer COVID-19-Infektion.

Mit ihrem Namen eng verbunden ist das an der antiken Diätetik und an dem amerikanischen Konzept der Grundbedürfnisse angelehnte Modell der „Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL)“, mit dem sie seit der vierten Auflage ihres Lehrbuchs im Jahr 1983 eine patientenorientierte und ganzheitliche Pflege einforderte.

Im Jahr 1962 hatte sie nach zehn Jahren pflegerischer Praxis in der Krankenpflegeschule Theodosianum am Spital Limmattal in Schlieren bei Zürich zu unterrichten begonnen. 1971 bis 1977 war Juchli Lehrerin an der Krankenpflege des Schweizerischen Roten Kreuzes in Aarau und ab 1974 auch an der ordenseigenen Pflegeschule am Clara-Spital in Basel tätig.

Im Jahr 1971 erschien beim Springer Verlag das erste Krankenpflegelehrbuch mit dem Titel „Umfassende Krankenpflege“, das Schwester Liliane Juchli zusammen mit ihrer Kollegin Schwester Beda Högger, beide Fachlehrerinnen für allgemeine Krankenpflege, publizierte. Mit diesem Lehrbuch wurde die Grundlage für das Standardwerk in der Krankenpflegeausbildung im deutschsprachigen Raum im 20. Jahrhundert gelegt, das von Pflegenden unterschiedlicher Generationen als „der Juchli“ bezeichnet wird. Begleitend zu dem Lehrbuch publizierte Liliane Juchli Fachbücher zur ganzheitlichen Pflege, mit der sie der christlichen Tradition der Pflege von Leib und Seele folgte.

Liliane Juchli hat mit ihrem „Lehr- und Lernbuch“ zur „Allgemeinen und speziellen Krankenpflege“, das in vielen Auflagen stets an die Erfordernisse der Zeit angepasst wurde, die Professionalisierung der Krankenpflege im deutschsprachigen Raum wesentlich geprägt.

Weitere Informationen zu Liliane Juchli finden Sie unter folgenden links:

https://lilianejuchli.ch/

https://www.sbk.ch/aktuell/news-single?tx_news_pi1%5Bnews%5D=523&cHash=735976a87b91c45ad695485e76e9e78d

https://www.dbfk.de/de/presse/meldungen/2020/DBfK-trauert-um-Sr.-Liliane-Juchli.php

https://www.bibliomed-pflege.de/news/trauer-um-schwester-liliane-juchli

Die Audiobotschaft, die Liliane Juchli im Frühling 2020 für die Pflegenden aufgenommen hat, kann hier gehört werden:

Quelle: sbk.ch

Neuerscheinung: Geschichte chirurgischer Assistenzberufe von der Frühen Neuzeit bis in die Gegenwart

Neuerscheinung: Geschichte chirurgischer Assistenzberufe von der Frühen Neuzeit bis in die Gegenwart

Die Krankenpflege unterliegt seit einigen Jahrzehnten einem andauernden Professionalisierungsprozess. Damit geht nicht nur eine Spezialisierung einher, sondern es wächst auch das Bewusstsein der Berufsangehörigen für die historische Entwicklung des eigenen Berufsstandes. Eigenes professionelles Handeln wird zunehmend ethisch und historisch reflektiert.
Da die Spezialisierung ein relativ junges Phänomen innerhalb der Pflege ist, fehlen bislang historische Studien zu bestimmten Tätigkeitsfeldern. Diese Publikation ist daher ein Schritt zur Behebung dieses Forschungsbedarfs für den Bereich der chirurgischen Assistenzberufe. Der Sammelband beinhaltet umfangreiche Quellen und beleuchtet die Arbeit der Handwerkerchirurgen der Frühen Neuzeit, der OP-Schwestern sowie der relativ neuen Berufe Operationstechnischer Assistent (OTA) und Physician Assistant.
Das Buch richtet sich sowohl an Studierende, Lehrende und PraktikerInnen im Bereich der Pflege, insbesondere der chirurgischen Assistenz, als auch an Pflege- und MedizinhistorikerInnen.

Hrsg.: Pierre Pfütsch und Annett Büttner

https://www.mabuse-verlag.de/mabuse/mabuse-buchversand/geschichte-chirurgischer-assistenzberufe-von-der-fruehen-neuzeit-bis-in-die-gegenwart-geschichte-der-medizin-pflege_pid_163_28582.html?_ref=spot3&url=%2FProdukte%2FMabuse-Buchversand%2FBuecher%2FGesundheit-Politik-Geschichte%2FGeschichte-der-Medizin-Pflege%2F

Pandemie- und Seuchengeschichte als Pflegegeschichte?

Artikel von Karen Nolte in der NTM Zeitschrift für Geschichte der Wissenschaften, Technik und Medizin, Nr. 28/2020

Dieser Beitrag ist Teil des Forums COVID-19: Perspektiven in den Geistes- und Sozialwissenschaften. In der aktuellen COVID-19-Pandemie wird die Bedeutung von professioneller Krankenpflege weithin anerkannt. In der deutschsprachigen und internationalen Forschung ist die Geschichte der Krankenpflege bei Pandemien und Epidemien weitgehend ungeschrieben. Der vorliegende Beitrag gibt einen Überblick über Fragen und Ergebnisse in diesem Forschungsbereich und diskutiert das Potenzial einer pandemischen Krankenpflegegeschichte.

Die Open-Access-Version finden Sie unter:

https://link.springer.com/article/10.1007/s00048-020-00252-w