Tagung: Pflege im Nationalsozialismus – Eine Profession unter Druck?

Tagung: Pflege im Nationalsozialismus – Eine Profession unter Druck?

Tagungsbeitrag inkl. Imbiss: 30 Euro, Studierende 10 Euro
Austragungsort: Mutterhauskirche, Zeppenheimer Weg 16, Düsseldorf
Anmeldung bis zum 7.10.2022 an info@fliedner-kulturstiftung.de

Im Fokus der diesjährigen Tagung steht die Frage, wie die Pflege in der Zeit des Nationalsozialismus auf
die neuen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen reagierte, denn mit dem Jahr 1933 veränderten sich
die Grundlagen für die Krankenpflege in Deutschland fundamental. Die Politik der Gleichschaltung und die nationalsozialistische Rassenideologie stellten die gewachsenen Strukturen der Pflege mit der großen
Bedeutung der konfessionellen Träger organisatorisch und inhaltlich prinzipiell in Frage. Auch wenn sie sich um ein gewisses Maß an Selbstständigkeit bemühten und – gerade in der Zeit des Zweiten Weltkriegs – für den Staat eine unverzichtbare Größe darstellten, war die Zeit von einer großen Bereitschaft zur Anpassung geprägt.
Daneben entstanden mit den „Braunen Schwestern“ neue, mit der Ideologie der Nationalsozialisten konforme Pflegeorganisationen, die Aufgaben, wie die Pflege in Konzentrationslagern, übernahmen. Auch die Auswirkungen der NS-Ideologie auf die Kinderkrankenpflege und das Hebammenwesen werden in der Tagung thematisiert.
Mit einer ethischen Perspektive auf die Entwicklungen in der Vergangenheit und deren Relevanz für die Pflegeberufe wagt die Tagung abschließend eine Diskussion mit Bezügen zur Gegenwart.

Neuerscheinung von Michael Czolkoß-Hettwer: Transnationale Möglichkeitsräume

Neuerscheinung von Michael Czolkoß-Hettwer: Transnationale Möglichkeitsräume

Deutsche Diakonissen in London (1846-1918)

Protestantische Schwesternschaften waren prägend für die Geschichte des 19. Jahrhunderts. Trotz aller Hierarchien und des starren normativen Korsetts der ordensähnlichen Anstalten bot sich den Diakonissen die Möglichkeit, eine berufliche Qualifikation und ein gewisses Maß an Selbstständigkeit zu erlangen. Die Studie nimmt Diakonissen aus den deutschen Mutterhäusern in Kaiserswerth, Darmstadt und Bielefeld in den Blick, die an das German Hospital sowie in einige deutsch-protestantische Gemeinden nach London entsandt worden sind. Sie zeigt, wie es ihnen in bestimmten Bereichen gelang, sich Spielräume zu selbstbestimmtem Handeln zu eröffnen.

Die Studie ist sogar als Open Access-Version verfügbar:

https://www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com/detail/index/sArticle/57337

Call for Papers: 8. Workshop der Fachgesellschaft Pflegegeschichte e.V. (1. und 2. Juli 2022)

Call for Papers: 8. Workshop der Fachgesellschaft Pflegegeschichte e.V. (1. und 2. Juli 2022)

im Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung Stuttgart

Pflege und Ungleichheiten – Potenziale einer intersektionalen Perspektive für die Pflegegeschichte

Die Pflege ist ein Arbeitsbereich, in dem Ungleichheitskategorien traditionell eine zentrale Rolle spielen. Die überwiegende Mehrheit der Pflegefachkräfte sind Frauen, lange Zeit hatte besonders in Deutschland religiöse Identität eine zentrale Bedeutung, der Einsatzvon Migrant:innen in der Pflege wurde zuerst in den 1960er Jahren staatlich organisiert, zugleich präg(t)en rassifizierende Zuschreibungendie Wahrnehmung und den Alltag dieser Arbeitsmigrant:innen. Ein Teil der eingewanderten Pflegekräfte war von Armut betroffen, bevor sie sich auf den Weg nach Deutschland machten. Mit dem Begriff der Intersektionalität, der sich innerhalb der Kulturwissenschaften zu einem Schlüsselbegriff entwickelte, gelang es der Juristin Kimberly Crenshaw 1989 auf die unsichtbare dreifache Diskriminierung hinzuweisen, der schwarze Frauen im Kampf um ihre Rechte als Arbeiterinnenin den Vereinigten Staaten ausgesetzt waren, da nicht nur die zwei Kategorien „gender“, und „class“ ihre Lebenswirklichkeit prägten, sondern als dritte die Kategorie „race“. Im Workshop solldas Potenzial eines intersektionalen Ansatzes für die Pflegegeschichte ausgelotet werden. Intersektionalität beschreibt die Überschneidung und Gleichzeitigkeit verschiedener Diskriminierungskategorien gegenüber einer Person. Dabei steht die Verzahnung verschiedener Differenzkategorien wie Geschlecht, Sexualität, Alter, Klasse, Nationalität, Dis/Ability und „Race“, sowie die Analyse der damit einhergehenden hierarchischen Machtverhältnisse im Mittelpunkt der Auseinandersetzung.

Mögliche Themen sind:

-soziale Hierarchien im Pflegealltag und Formen ihrer Aushandlung,

-Alltags-und Erfahrungsgeschichte von Arbeitsmigrant:innen in derPflege,

-Feminisierung der Arbeitsmigration durch zunehmende Internationalisierung des Care-Sektors,

-Homosexualität von Pflegekräften,

-Geschichte vonLohnwärter:innen,-Männer in der Pflege

Auch Beiträge, die sich nur mit einer dieser Kategorien innerhalb der Pflegebeschäftigen, sind willkommen. Damit wollen wir ganz verschiedenen Fragen und Themen wie bspw. den Zusammenhängen von Pflege und Geschlecht, Pflege und Migration oder auch Pflege und Behinderung nachgehen. Es ist daher nicht zwingend notwendig, dass die Vorträge mehrfache Ungleichsheitskategorien miteinander verbinden, dies kann auch während der Diskussion geschehen.

Abstracts (max. 2.000 Zeichen inkl. Leerzeichen), aus denen Titel, Fragestellung, Methoden und verwendete Quellen sowie mögliche Thesen/Ergebnisse hervorgehen, sind bis zum 01.05.2022 an Dr. Pierre Pfütsch (Schriftführer) per E-Mail zu richten: pierre.pfuetsch(at)igm-bosch.de